Die Bilder von Nadja Nafe oszillieren zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, wobei Letztere nie richtig zu fassen ist. Der Bildraum wird aufgebaut, nur um wieder abgebaut zu werden. Formen erscheinen aus der Bildtiefe, um dann wieder zu verschwinden – ein ständiges Hin und Her, das die visuelle Wahrnehmung des achtsamen Betrachters stark herausfordert. Mit ihren Bildwelten verführt uns die Künstlerin in die Gegenständlichkeit, ohne das Versprechen einzulösen, uns einen einzigen lesbaren Gegenstand zu liefern. Dennoch erzeugt sie eine Illusion von Räumlichkeit, die wiederum auf die reale Welt hindeutet. Auch die Titel der verschiedenen Werkgruppen verführen den Betrachter dazu, etwas mehr als ausschließlich die reine Abstraktion in den Bildern zu sehen: ‘Notiz zur Wirklichkeit’, ‘wir werden sehen’, ‘der Sache einen Namen geben’ oder ‘behind curtains’ – doch was verbirgt sich hinter den Vorhängen, wenn wir Notiz von der Wirklichkeit nehmen? Was werden wir sehen, wenn wir den Sachen einen Namen geben? Auch formal sind Nafes Bilder nicht einfach zu kategorisieren, denn sie bestehen oft aus sowohl gemalten als auch gedruckten Elementen, so dass der Eindruck entsteht, sie wären auf eine Art collagiert. Bei den Papierarbeiten handelt es sich tatsächlich um Collagen, wobei das Collagierte in den Arbeiten auf und auch mit Papier dem Gedruckten in den Leinwandarbeiten entspricht. In beiden Fällen sind die ‘Felder’ hauchdünn und somit halbdurchsichtig. Nicht ganz transparent, vielleicht verschleiert – wie das Oeuvre der jungen Künstlerin als Ganzes.

© Gérard A. Goodrow 2015

 

Nadja Nafe’s pictures oscillate between abstraction and fuguration, whereby the latter can never truly be grasped.
The pictorial space is literally built up, only to be broken down again. Forms emerge out of the depths of the composition and then disappear again – a constant to-and-from, which challenges the visual perception of the attentive viewer. With her compositions, the srtist seduces us into the realm of figuration, without however keeping her promise of delivering even one legible object. Nevertheless, she does indeed create the illusion of spatiality, which in turn intimates a connection to the real world.
The titles of her various work groups similary seduce the viewer onto seeing something more than ‘merely’ pure abstraction in her pictures: ‘Notiz zur Wirklichkeit’ (a note to reality), ‘wir werden sehen’ (we will see), ‘der Sache einen Namen geben’ (giving the thing a name) or ‘behind curtains’ – but what exactly is hiding behind the curtains when we take note of reality? What will we see when we call things by their names?
Even in terms of their formal characteristics, Nafe’s pictures are not easy to categorize, since they often consist of both painted and printed elements; one has the impression that they have somehow been collaged. And, in fact, the works on paper are actually collaes, whereby the collaged elements in the works on (or rather with) paper correspond with the printed elements in the canvas works, since in both cases the ‘fields’ are extremely thin and thus translucent. Not completey transparent, perhaps obfuscated – like the young artist’s oeuvre in generel.

© Gérard A. Goodrow 2015